Tomaten auf den Augen

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... oder den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen - das passt auf das folgende Kleid oder besser gesagt auf mich. In den Stoff verliebte ich mich sofort und schmuggelte ihn heimlich nach Hause, denn dem Mann hatte ich versprochen, nur Schrägband zu kaufen - sonst nichts.
Er bekam es natürlich raus, weil mein schlechtes Gewissen zu groß war. Vor ein paar Tagen (nachdem der Stoff nun doch wieder ein paar Wochen im Regal ablagern musste) schnitt ich ihn zu und setzte mir gleichzeitig in den Kopf, ein fertiges Kleid am Abend zu tragen. Ich trug es auch - soviel sei schon mal gesagt, aber so richtig zufrieden war ich nicht.
Der Schnitt ist Butterick B5951 in der Variante A und gekürzten Ärmeln der Variante C. Geändert habe ich außerdem den Ausschnitt, denn der war mir ein bisschen zu dicht am Hals und der Rock ist von einem anderen Kleid - vorn ein Schnittteil und hinten zwei.
Leider verschluckt das Muster die Raffungen und leider habe ich beim Blick auf den Stoff nicht nachgedacht. Hätte ich das getan, wäre mir aufgefallen, dass die Blumen immer in Ovalen angeordnet sind, die regelmäßig platziert wurden. Und die ich dummerweise genau an der falschen Stelle vom Oberteil platziert habe. Ich weiß zwar nicht, wie ich es hätte besser machen können und Stoff war auch nicht genug da, aber irgendwie wurmt es mich schon.
Außerdem ist das Muster so flächig betrachtet schon sehr kräftig. Manchmal ist es schon merkwürdig wie sich Farbe und Wirkung ändern kann. Simone stellte das ja auch letztens bei ihrem "Teller"Kleid in "rosa" fest. 
Aber trotzdem gibt es gute Seiten an diesem Kleid, so dass ich dem ganzen (angelehnt an das schulische Benotungssystem) ein "ausreichend" - die Leistung besitzt zwar Mängel, aber im Ganzen entspricht es noch den Anforderungen - gebe. Stimmt ja irgendwie - es ist ein Kleid, es passt und Frau kann es anziehen
Besonders schön gelungen ist der Saum. An der Kante ist ein Schrägband mit Häkelborte hintergesetzt und am Rand schmal angesteppt. Das mache ich bestimmt mal wieder.
Ich habe jetzt den Plan mich weiterhin hinter blühende Bäume zu stellen oder eben eine Strickjacke anzuziehen - so mag ich es nämlich sehr - mein "ausreichendes" Kleid.

Liebe Grüße

Chim Chim Cher-ee - des Schornsteinfegers Melodie

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Wenn ich an diese Textzeile denke, muss ich lächeln. Ich singe in Gedanken weiter (oder laut und schief) und dann ist er da, dieser Ohrwurm. Für alle, die "Chim Chim Cher-ee" nicht kennen: es ist das Schornsteinfegerlied aus dem Film Mary Poppins. Und Mary Poppins kennt wohl jeder, oder?
Nun mag ich auch die Kleidung von Mary Poppins und habe mich davon inspirieren lassen. Und in diesem Fall sehr weit entfernt inspirieren lassen, denn so ganz passt ihr Stil nicht in meinen Alltag. Aber ein paar Details habe ich mir abgeschaut.
Nun wollte ich mir ein Ensemble aus Jacke und Rock im Februar nähen und hatte insgeheim gedacht, dass ich es zu einem bestimmten Vorstellungsgespräch anziehen könnte. Ich wurde aber nicht fertig - bekam dafür aber in einem Kleid den Job. Vielleicht doch ein bisschen Schornsteinfeger-Glück?
Auf der Suche nach einem Schnittmuster für die Jacke von Mary wurde ich auch schnell fündig bei Butterick. Hier muss ich nochmal betonen, dass mich die Fotos auf dem Cover so gar nicht angesprochen haben und ich mir in der Regel immer die technische Zeichnung ansehe, um zu beurteilen, ob mir das gefällt oder nicht. Butterick B5995 hat mir besonders gefallen wegen des Blazers in der Zeichnung, aber gar nicht wegen des Titelfotos.
Der Blazer ist tailliert geschnitten, hat ein Schößchen und dieses ist hinten länger als vorne - da ist es - mein Schnittmuster für meine Mary Poppins-Inspiration!
Als Rock dazu wählte ich meinen Standardschnitt - nämlich Ginger von Colette.
Der Stoff ist Cotton Stretch Lace - also mit einem Spitzenmuster bedruckte Baumwolle mit einem Minianteil Elasthan und sehr freundlich unter der Nähmaschine, aber auch ein bisschen faltenliebend wie ihr sehen könnt.
Wo habe ich gefuscht? Also ... ich hatte zwei Stücken von jeweils 1 Meter - einen Meter hatte ich mir gekauft, war aber zu geizig mehr zu kaufen und dann bekam ich ein weiteres Meterchen von stoffe.de geschenkt. Für Rock und Blazer reichte das natürlich nicht ganz, so dass ich das Kragenteil stückeln musste (allerdings so, dass die Naht nicht von außen sichtbar ist) und das Schößchen hat von innen ein einfaches schwarzes Baumwollstöffchen ohne Muster bekommen.
Bin ich zufrieden? Naja, der Rock ist super und ich trage ihn viel, aber meist ohne Blazer. Der Blazer und ich - wir sind noch nicht so ganz eins geworden. Das liegt sicher auch an der Passform, an der ich beim nächsten Mal noch einiges ändern würde. Ein nächstes Mal? Naja, das wird wohl dauern. Ich nähe erstmal wieder Kleider.
Liebe Grüße

Hallo Hamburg - neu hier [April 2014]

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Ein Jahr pendelten wir zwischen Hamburg und Rostock. Seit 1. April bin ich nun offiziell Hamburger und habe im letzten Monat deutlich weniger Zeit im Auto und Zug verbracht als ich es von den letzten Monaten gewohnt war. Man bin ich froh darüber. Ich bin dabei mich in meiner neuen Heimat einzugewöhnen und wenn ich wieder traurig bin und an mein Rostock zurückdenke (fast 10 Jahre war dort meine Heimat), sagt mein Mann immer "lass uns Hamburg zu unserem Hamburg machen". Und das ist wohl das Sinnvollste. Denn was bringt es, der Vergangenheit hinterher zu weinen und in Rostock war auch nicht alles toll, wenn man mal ehrlich ist.
Ich würde euch also gern mitnehmen in meine neue Heimat und berichten, was mich hier erwartet hat und wie es mir in dieser großen Stadt ergeht - ein Rückblick auf meine erste Zeit in Hamburg. Keine Sorge - das Nähen bleibt Hauptthema und wird auch hier in Hamburg meinen Alltag wohl ab und zu prägen.
  • "Ziemlich beste Freunde" - den französischen Film kennt wohl fast jeder und wer ihn noch nicht gesehen hat, sollte es nachholen. Wem der Film nicht reicht und nochmal köstlich lachen möchte, dem empfehle ich einen Besuch der Hamburger Kammerspiele. Noch bis 25. Mai kann man sich das Stück ansehen. Wir fanden das Stück, sowie das Theater herzallerliebst.
  • Eine Kollegin erzählte mir von ihrem Ausflug ins Alte Land. Mir war nicht so ganz klar, was das ist und wo das war, aber eine Tour ins Alte Land ist wirklich zu empfehlen wie ich jetzt weiß. Momentan blühen die Obstbäume und man sieht mehr als einen - versprochen. Dazu kommen bezaubernde kleine Dörfer mit wunderschönen Häusern - ich liebe Backstein mit diesen Verzierungen! Einen Stop haben wir in Stade eingelegt und wer typisch nordisch auch noch Seeluft schnuppern will, kann sich mit der Fähre bei Glücksstadt übersetzen lassen. Wir mussten zwar ein wenig warten, aber schön war es trotzdem!
  • Mit dem Umzug ergab es sich natürlich auch, dass ich eine neue Herausforderung antreten musste. Der neue Job ist anders - und im Vergleich sehr klein. Bisher habe ich Schiffe gebaut, jetzt schaue ich mir manchmal Bauteile unterm Mikroskop an - so klein können sie sein. Da mir zugegeben meine Schiffe fehlen, muss ich ab und zu ans Wasser und Schiffe schauen, wenn schon nicht bauen. In Wedel am Schulauer Fährhaus und Willkomm Höft kann man Schiffe schauen und dazu wird auch noch Musik gespielt. Das Willkommen Höft ist eine Schiffsbegrüßungsanlage und wenn man wie wir Glück mit dem Wetter hat, lässt es sich da ein Weilchen im Strandkorb und beim Fischbrötchen aushalten.
  • Essen - in Hamburg kann man wohl so ziemlich alles an Essen bekommen, was die Welt so hergibt. Wir waren neulich im Bonbao - fresh Asian food. Es ist nicht so groß, sehr schön eingerichtet, das Essen sehr lecker - alles wahlweise mit und ohne Fleisch und befindet sich im Mühlenkamp in Winterhude. Der einzige Negativpunkt, wenn man zu dicht an der Tür sitzt, ist es ein wenig zügig.
  • Wir lieben Pancakes und nachdem der Vorrat Originalmischung, den ich aus Amerika mitbrachte, aufgebraucht war, suchten wir nach einer deutschen Alternative. Und ehrlich gesagt, alle Backmischungen, die uns in die Hände fielen, waren nicht vergleichbar mit dem Original. Aber wir geben nicht auf und suchten weiter und stießen nun auf das Rezept für Pancakes von Cynthia Barcomi. Das Backbuch sah ich mal bei Eva, wünschte und bekam es zu Weihnachten und testete nun. Und ganz ehrlich, sie sind gut. Sehr gut. Noch nicht das Original, aber schon nah dran. Das Buch kann ich euch also sehr empfehlen. Übrigens sind der ApplePie und FrenchToast ebenso lecker! Ich vermute, das schmeckt auch alles nicht nur in Hamburg!
  • Im letzten Jahr wollten wir schon einmal in das Museum für Kunst und Gewerbe [mk&g] und wir suchten uns natürlich einen Tag aus, an dem es geschlossen war. Dieses Mal waren wir schlauer und schauten vorher nach den Öffnungszeiten. Es gibt verschiedene Ausstellungen und ich wollte mir natürlich die Ausstellung über Coco Chanel ansehen. Beeindruckende Kleider und Ensemble typisch Coco - leider ist das fotografieren nicht erlaubt, man sollte also Stift und Papier zur Hand haben, wenn man sich Schnittdetails merken will. Der männliche Begleiter fand Gefallen an der Comic-Ausstellung und den Miniaturen im Nadelohr - ziemlich unvorstellbar wie man sowas zaubern kann.
  • Stoff im April? - vermutlich wird in dieser Kategorie immer etwas zu finden sein. Ja, ich bin stoffsüchtig und habe zweimal Stoffe gekauft im April. Aber im Vergleich ist Hamburg für mich auch ein Stoffparadies. Hier gibt es wirklich ein paar schöne Läden. Im April gab es zwei Meterchen bei Glücksmarie (wobei ich alle Schuld von mir schiebe, denn den Stoff hat mein Mann ausgesucht) und ein paar weitere aus dem Stofflager Kutschak. Alles bereits gewaschen und zum Teil schon angeschnitten. 
Für den Mai ist schon einiges geplant wie wir unsere neue Heimat unsicher machen werden. Und wir bekommen "bloggenden" Besuch! Ich freu mich drauf!

Liebe Grüße